Das erste Mal

Das erste Mal

Meine Hand zit­tert und krallt
sich fest. Weit­er, immer höher,
hoch hin­auf. Höher als die anderen.
Die anderen gin­gen so weit.
Ich muss, ich muss.

Lass los,
ruft der Mann der unten steht.

Der Schmerz wan­dert
in meine Arme. Durch­hal­ten, immer
hal­ten. Länger als die anderen.
Die anderen hiel­ten bis oben durch.
Ich muss, ich muss.

Ich halte dich,
ruft der Mann der unten steht.

Ein Ruck geht durch
das Seil. Loslassen, Pause
machen. Egal was die anderen sagen.
Die anderen sind nicht ich.
Ich klet­tere hier zum ersten Mal.

Alles ist gut,
ruft der Mann der unten steht.



Eine Hand wan­dert
zum Seil. Die andere klam­mert sich
fest, will weit­er hal­ten, nicht
auf mich hören. Lass los, Hand.
Du musst, du musst.

Dir passiert nichts,
ruft der Mann der unten steht.

Der Kopf ist leer, die Augen
star­ren auf die Hand. Sie hält fest, eine
Ewigkeit. Verkrampft sich in
die Wand. Ein panis­ches Wesen.
Es muss, es muss.

Ver­trau mir,
ruft der Mann der unten steht.

Ich schliesse die Augen. Zwinge
das Wesen zu tun, was ich will.
Mein Atem set­zt aus – das Seil
hält, der Schmerz lässt nach.
Ich habe los­ge­lassen, zum ersten Mal.

Du hast es geschafft,
sagt der Mann, der vor mir steht.


Dazu der Artikel in Die Südostschweiz”

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1. Aufl. Okto­ber 2015,
2. Aufl. Dezem­ber 2015.

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